Happy L’Attitudes

„Das Leben ist zu kostbar, um es dem Schicksal zu überlassen“



Argentinien / Uruguay



Image

Donnernder Iguzu

16.12.2011 – Torge

Wir sind umgeben von Wasser. Hinter uns das ruhige, leicht strömende Wasser des oberen Iguazu, das langsam herankommt, bevor es ziemlich schnell schneller wird und dann seine Wassermoleküle in die folgenden Kategorien verteilt. Wasser, das vor uns durch die Garganta del Diablo, den Teufelsschlund, in die Tiefe gezogen wird. Wasser, dass unter uns in einer donnernden Walze wie eine Waschmaschine im Schleudergang dem Inferno eine passende Geräuschkulisse verleiht. Wasser, das aus dieser Walze wieder hochgeschleudert wird, und als Spray bis weit über uns in den Himmel steigt, dabei das Sonnenlicht bricht und zauberhafte Regenbogen in den Teufelsschlund zeichnet. Wasser, was sich aus der überdimensionierten Waschmaschine befreit hat, und im unteren Iguazu, immer noch wild strömend seinen Weg Richtung Atlantik sucht.

Rechts und links neben der Garganta del Diablo reihen sich weitere nicht minder schöne Wasserfälle im riesigen Halbkreis auf, um den Wassermassen des in die breite gezogenen Iguazu in die Tiefe zu helfen. Die Wege unterhalb und oberhalb der Fälle bringen uns dieses einmalige Naturspektakel beeindruckend nah, aber noch näher kommt man mit dem Speedboot, das uns bis direkt unter die Fälle fährt. Wer nicht die Chance hat, nach Puerto Iguazu zu reisen, kann das gleiche Erlebnis wohl in der lokalen Autowäsche haben, einfach alle Fenster runter, mit Badehose auf den Fahrersitz und Heidewitzka Herr Kapitän. Wir sehen nichts mehr, die Gischt der Fälle peitscht uns ins Gesicht, die Mädchen im Boot kreischen um die Wette, und irgendwie macht das Ganze ziemlich Spaß!

Die Cataratas de Iguazu, die Iguazu Wasserfälle sind ein Muss auf jeder Südamerikareise. Die lange Anfahrt und hohen Kosten haben sich gelohnt, mal wieder! Achja, im Hostel gab es noch einen netten Pool (noch mehr Wasser), in welchem ich meine Thermarest Neo Air mal als Floating Device versucht habe: Ein Faulenztag in der Sonne, eine schöne Abwechslung vor den Tagen in Montevideo und Buenos Aires.

Checkpoint Culture (Uruguay)

18.12.2011 – Torge

Vergeblich versuche ich, am Sonntag Vormittag in Montevideo ein Lavadero, eine Wäscherei, zu finden. Alles ist geschlossen! Manch Europäer mag meine Empörung nicht ganz nachvollziehen können. Sie ist nach einem Monat des Reisens in Peru und Bolivien jedoch durchaus berechtigt.

Am einem x-beliebigen Sonntag in La Paz pulsiert das Leben. Geschäfte sind geöffnet, Marktschreier und Koberer von Restaurants oder Reiseagenturen rufen um die Wette, Taxis und Busse verpesten die Luft und hupen was die Hupen hergeben. Alle Plätze, Straßen, Restaurants und Stände sind von Menschen belagert, sie schlendern, wirren und strömen durch die Stadt, sie sitzen auf Parkbänken um sich lieb zu haben, sie sitzen auf Treppen um zu essen. Der Dreck liegt auf der Strasse, die Armut teilweise direkt daneben. Schmutz und Staub gesellt sich auch zu ohrenbetäubendem Lärm in der Luft, jeder hat etwas zu sagen, rufen, hupen. Die Stadt lebt so offensichtlich, das einzige, was man nicht hört, sind Kirchturmglocken, so ziemlich die einzige sonntägliche Ruhestörung, die in deutschen Städten akzeptiert ist.

Der Grenzübergang nach Uruguay und die Ankunft in Montevideo hat mich mit einem Schlag zurück nach Europa katapultiert. Im Taxi gibt es ein Taxameter, unvorstellbar in Bolivien. Der Verkehr funktioniert zivilisiert und Rücksicht nehmend und ganz ohne Hupen, unvorstellbar in Peru. Die Straßen sind sauber, es gibt öffentliche Mülleimer an jeder Ecke, die Luft ist rein, unvorstellbar in Bolivien. Festpreise für alle käuflichen Artikel sind ausgezeichnet, verhandelt wird nicht, unvorstellbar in Peru.

Das Reisen in Peru und Bolivien war aufregend, eine ständige Herausforderung, ein Spiel, es gab viel zu gewinnen, beim Verhandeln, beim Erleben, beim um die nächste Ecke gehen, und viel zu verlieren, beim sich die Taschen ausplündern lassen, beim nicht nach dem Preis fragen bevor man einer Dienstleistung zustimmt, oder beim um die nächste Ecke gehen. Unglaubliche Dinge konnten einen jeder Zeit überraschen, und das alles für unfassbar günstige Preise.

Das Reisen in Argentinien und Uruguay ist dagegen fast “langweilig”. Alles funktioniert, ich fühle mich hier jederzeit sicher, alleine der Fakt, dass ich nicht mehr jedem sofort als Gringo ins Auge falle, macht einen großen Unterschied. Niemand spricht mich auf der Straße an, um mir irgendeinen Mist anzudrehen. Durch die Straßen Montevideos zu schlendern ist wie Urlaub von der Reise, ein Stück Europa in Südamerika, ein Land und eine Stadt, die mich jederzeit für länger wiedersehen könnte. Auch wenn man Sonntags nicht seine Wäsche waschen kann. Eine Radtour entlang der Rambla, der Promenade entlang des Rio de la Plata könnte dafür entschädigen. Da kann ich dann auch in Gedanken den ganzen Abenteuern hinterherträumen, die wir in Peru und Bolivien erlebt haben….

Feliz 2012

02.01.2012 – Torge

Zweitausendundzwölf – Wenn man für ein Jahr um die Welt reist, dann verschiebt sich die Bedeutung eines Jahreskalenders ein wenig, im Vordergrund steht doch eher die Zeitrechnung des “Wie-lange-noch” und des “Wie-lange-schon”. Dennoch, ein neues Jahr hat uns in Buenos Aires begrüßt, in einer rauschenden Partynacht, feuchtfröhlich – prickelnd – laut – wild, die ein wenig verschwommen heute im Laufe des Vormittags endete. Ein gebührendes Abschiedsfest vom Alkohol: wir haben den guten Vorsatz, im Januar keinen Alkohol zu uns zu nehmen, und unser Augenmerk den Bergen Patagoniens zu widmen.

Der Silvestertag begann mit einer körperlichen Qual. Um 16 Uhr, bei 27° im Schatten (Schatten gab es jedoch kaum), stand der San Silvestre Lauf auf dem Programm. 3000 Teilnehmer, 8km durch das Zentrum Buenos Aires, der Start war direkt vor unserer Haustür. Das Ziel, unter 40min zu bleiben, haben wir beide erreicht. Total erschöpft sitzen wir nach Zieleinlauf auf der Avenida 9 de Julio. Dies ist ein Erlebnis, von dem nicht viele Touristen zu berichten wissen. Normalerweise ist diese Strasse voll mit Autos, 20spurig, und man braucht als Fussgänger 2 Ampelphasen um die Hauptschlagader der Stadt zu kreuzen. Heute ist sie aufgrund des Laufs abgesperrt und entspannend ruhig.

Weitere Schlagzeilen der letzten zwei Wochen in Buenos Aires lauten:
– Torge und Chris vernaschen 1000g Rib Steak in Puerto Madero
– Ein “blinder” Taschendieb erleichtert Chris um Kreditkarten, Ausweis und ein paar Pesos
– Nightlife-Jetlag, oder wie gewöhnt man sich an die Disco Öffnungszeiten von 2.00 – 11.00 (Afterparty inklusive)?
– Auf Maradonas Spuren: Der argentinische Dios lacht einem in La Boca an jeder Ecke an
– Atzenparty: Schrille Sonnenbrillen gesichtet, gekauft und getragen

Wir verlassen morgen Buenos Aires und fahren südwärts nach Bariloche. Seen, Berge und Wanderungen erwarten uns, unser Zelt wird endlich eingeweiht, und der Biorythmus wieder auf Sonnenzeiten eingependelt.

Wir wünschen allen Lesern ein frohes und gesundes 2012!